Space Opera: Die Geschichte der Science Fiction in kosmischen Weiten (1.1)

Von Stefan Ulsamer

Riesige Raumschiffe rasen mit Lichtgeschwindigkeit durch das Weltall, Menschen landen auf fernen Planeten und treten in Kontakt mit außerirdischen Intelligenzen. Solche Begegnungen laufen manchmal friedlich und meistens konfliktreich ab. So könnte man kurz und knapp die gängigen Klischees zur Science Fiction im Allgemeinen und dem Untergenre der Space Opera im Besonderen zusammenfassen. Als Space Opera wird die Spielart der Science Fiction bezeichnet, die Abenteuer im Weltall zum Thema hat. Auch das "Stargate" Franchise wird zu dieser Unterart des Phantastischen Films gezählt, denn die Abenteuer unserer Helden der mittlerweile drei Serien spielen auf fremden Planeten und sogar in fernen Galaxien. Dieser vieriteilige Artikel soll das ganze Spektrum des Genres beginnend im Stummfilmzeitalter bis zu den neuesten Produktionen im Jahre 2010 und darüber hinaus porträtieren.

Der Anfang
Für den ersten filmischen Ausflug in den Kosmos zeichnet der Film "Le Voyage dans la Lune" des französischen Filmpioniers Georges Méliès aus dem Jahre 1902 verantwortlich. In dem 14-minütigen Stummfilm beschließen einige Wissenschaftler, sich in einer Raumkapsel durch eine Riesenkanone auf den Mond schießen zu lassen. Dort angekommen müssen sie sich mit den grotesken und insektenartigen Mondbewohnern herumschlagen, ehe sie die Heimreise antreten können. "Le Voyage dans la Lune" war eine nach heutigen Maßstäben mit primitivsten Mitteln produzierte Jahrmarkt-Attraktion mit stark parodistischen Zügen, war aber für die spätere Entwicklung des Genres wegweisend. Georges Méliès drehte noch mehrere hundert Stummfilme, oftmals mit phantastischen Inhalten, nach dem Durchbruch des Tonfilms allerdings wollte niemand mehr seine Filme sehen und er starb fast verarmt und vergessen 1938 in einem Altersheim.

1918 machte dann das sonst filmhistorisch eher unterentwickelte Dänemark mit dem Film "Himmelskibbet" ("Das Himmelsschiff") von sich reden. In dem Film von Regisseurs Holger Madsen landet die erste Expedition der Menschheit auf unserem Nachbarplaneten Mars, um dort auf friedliebende, pazifistische Marsbewohner zu treffen, deren Gedankengut von den irdischen Besuchern angenommen wird und nach der Rückkehr aus dem All nach Kopenhagen unter der Menschheit verbreitet wird. "Himmelskibbet" spiegelt die Sehnsucht der Menschen nach Frieden im vom Ersten Weltkrieg zerrütteten Europa wieder.

Die Frau im Mond
space_opera_1_4.jpg1929 erschien dann in Deutschland einer der letzten großen Stummfilme unter der Regie von Fritz Lang mit beachtlichen 150 Minuten Lauflänge: "Die Frau im Mond". Auch hier geht es um die erste Reise der Menschheit zu einem anderen Himmelskörper. Die Mitglieder der deutschen Mondexpedition sollen auf der Rückseite des Mondes nach Wasser, Gold und Sauerstoff suchen. Fritz Lang bemühte sich hier um wissenschaftliche Genauigkeit entsprechend den Kenntnissen der damaligen Zeit. Damals gingen die führenden Wissenschaftler davon aus, dass auf der erdabgewandten Seite unseres kosmischen Nachbarn eine atembare Atmosphäre zu finden sei, was die Tatsache erklärt, dass die Raumfahrer sich ohne Raumanzüge auf der Mondoberfläche bewegen.

Die Rakete, welche die Astronauten von der Erde zum Mond bringt, ähnelt bereits den einige Jahre später als Kriegswaffen entwickelten V2 Raketen, welche im Zweiten Weltkrieg von den Nazis zur Bombardierung von London benutzt wurden und die den Ausgangspunkt sowohl für die amerikanische als auch die russische Raumfahrt bildeten - denn die meisten Raketentechniker des Dritten Reiches emigrierten nach dem Krieg in die USA und die Sowjetunion, um dort an den aufkommenden Raumfahrtprojekten der 50er und 60er Jahre zu arbeiten. Diese Ähnlichkeit ist kein Wunder, wenn man weiß, dass einer der Hauptberater von Fritz Lang der deutsche Raketenpionier Hermann Oberth war, der gemeinhin als Begründer der Raketentechnik gilt.

Flash Gordon & Buck Rogers
space_opera_1_3.jpg1936 erblickte dann mit "Flash Gordon" einer der bekanntesten Comic Helden der 1930er Jahre das Licht der Leinwand. Hierbei handelte es sich um ein Serial in 13 Teilen á circa 20 Minuten, an deren Ende sich die Helden jeweils in einer schier aussichtslosen und tödlichen Situation befanden, einem so genannten Cliffhanger, aus dem sie sich zu Beginn der nächsten Folge wieder irgendwie herauswinden mussten. In den 1930er Jahren gab es hunderte solcher Serials, die normalerweise Sonntagmorgens vor den Hauptfilmen liefen.

In "Flash Gordon" bekommt es der Titelheld, gespielt von Larry "Buster" Crabbe mit dem finsteren Ming dem Gnadenlosen, dargestellt von Charles B. Middleton, vom Planeten Mongo zu tun, der dort ein faschistisches Regime anführt und es auf Flash Gordons Braut Dale Arden, dargestellt von Jean Rogers, abgesehen hat. Dabei werden allerhand bunte Abenteuer mit vogel- und fischartigen Außerirdischen erlebt und ein gefährlicher Todesstrahl wird unschädlich gemacht. Aufgrund des großen Erfolges kehrte Flash Gordon 1938 in "Flash Gordon - Space Soldier's Trip to Mars" und 1940 in "Flash Gordon Conquers the Universe" zurück.

1939 übernahm Buster Crabbe noch die Hauptrolle in "Buck Rogers" und spielt darin einen Flieger, der durch ein unbekanntes Gas in Tiefschlaf versetzt wird und erst im 25. Jahrhundert wieder "auftaut". "Buck Rogers" war vom Konzept her sehr ähnlich wie "Flash Gordon" angelegt und war ähnlich erfolgreich. Produzent und Regisseur George Lucas gibt in Interviews offen zu, dass diese beiden Serials mit zu den Hauptinspirationen der bisher erfolgreichsten Space Opera überhaupt, den beiden "Star Wars" Trilogien, gehören.

Hier geht's weiter mit der Geschichte der Space Opera!

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