21.07.2010
Space Opera: Die Geschichte der Science Fiction in kosmischen Weiten (2.2)
Von Stefan Ulsamer
Hier gelangt Ihr zu den Anfängen der spannenden Geschichte der Space Opera. Nachdem "Star Wars" alle Kassenrekorde brach, begannen Hollywoods Filmproduzenten damit, schon lange in den Schubladen liegende Drehbücher für Science Fiction Filme aller Art hervorzukramen. Weltraum und Science Fiction war plötzlich in und so wurden die Kinos in den folgenden Jahren mit einer wahren Flut von Space Operas überschwemmt. Die damaligen Highlights waren "The Black Hole" ("Das schwarze Loch"), ein ungewöhnlich düsterer und bedrohlicher Walt Disney Film, der erste Ausflug der USS Enterprise ins Kino, in dem mit gigantischem Aufwand produzierten "Star Trek - The Motion Picture" ("Star Trek - der Film") 1979 und seine weitaus spannendere und Action-orientiertere Fortsetzung "Star Trek II - The Wrath of Khan" ("Star Trek II - der Zorn des Khan") 1982, das düstere "Outland" ("Outland - Planet der Verdammten") 1981, in dem es Sean Connery auf dem Jupitermond IO mit einer Killerbande zu tun bekommt, und der poppige "The Last Starfighter" ("Starfight") 1984.
Die unheimlichen Wesen aus einer fernen Welt
Der sicherlich filmhistorisch wichtigste Streifen im "Star Wars"-Fahrwasser ist Ridley Scotts "Alien" ("Alien - das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt") aus dem Jahre 1979. In diesem modernen Klassiker mischen sich nahtlos Elemente der Science Fiction mit denen des Horrorfilms und das Werk genießt bis heute hohes Ansehen bei den Fans beider Filmgenres. In "Alien" bekommt es die siebenköpfige Mannschaft des Weltraumfrachters "Nostromo" mit einer außerirdischen Bestie zu tun, die in bester Slasher-Manier ein Besatzungsmitglied nach dem anderen zur Strecke bringt, bis nur noch der dritte Offizier, eine junge Frau namens Ellen Ripley übrig bleibt - von Sigourney Weaver als gleichzeitig verletzlicher und starker Charakter dargestellt - und es zu einem Kampf auf Leben und Tod zwischen Ripley und dem Monster kommt. "Alien" ist so etwas wie das schmutzige Gegenstück zu den eher bunten und poppigen Weltraummärchen der damaligen Zeit.
Das Raumschiff "Nostromo" ist düster, abgewirtschaftet und verkommen, seine Besatzungsmitglieder sind größtenteils profitorientierte, der Arbeiterklasse angehörende "Blaumänner", die es gewohnt sind, hart anzupacken und die sich selbst am nächsten stehen. Entsprechend den Konventionen des Horrorkinos der damaligen Zeit überlebt nur die "unschuldige" und gutherzige Ellen Ripley. Der eigentliche Star allerdings ist die außerirdische Kreatur, die völlig fremdartig und "unirdisch" und mit ihren hervorschießenden Fangzähnen sehr bedrohlich wirkt und in nur ganz wenigen, sehr dunklen Szenen zu sehen ist und dann auch nur für wenige Sekunden. Viel bleibt der Phantasie des Zuschauers überlassen und es gibt relativ wenige, aber drastische Schockmomente. Ridley Scott ist ein Meister des Spannungsaufbaus und man kann zurecht sagen, dass "Alien" einer der gruseligsten Streifen ist, die jemals produziert wurden.
Ursprünglich sollte Scott auch bei der Fortsetzung die Regie übernehmen, allerdings setzte der Verleih 20th Century Fox den noch jungen James Cameron auf den Regiestuhl, der 1984 mit "Terminator" das Actionkino revolutioniert und der Karriere von Arnold Schwarzenegger den nötigen Schwung verpasst hatte. Die Fortsetzung mit dem simplen Titel "Aliens" ("Aliens - die Rückkehr") erschien im Jahre 1986 und wie der Titel schon suggeriert, sollte diesmal nicht nur ein außerirdisches Monster in Erscheinung treten. In "Aliens" nimmt es ein Platoon amerikanischer Marines mit einer Vielzahl an extraterrestrischen Kreaturen auf einem fernen Planeten auf, zu dem zuvor der Kontakt abgebrochen ist. Nicht ganz freiwillig hat man Ellen Ripley, die einzige Überlebende des ersten Teils, als Berater zur Seite. "Aliens" ersetzt die subtile Spannung des Vorgängers mit einem Actioninferno, wie es zuvor noch nicht zu sehen war.
Der Megaflop
Diesmal wimmelt es nur so an schleimigen, schnellen Aliens, für deren Design wie bereits bei "Alien" der schweizer Künstler H.R. Giger verantwortlich zeichnete und die von Special Effects Legende Stan Winston lebensecht in Szene gesetzt wurden. "Aliens" ist einer der wenigen Fortsetzungen, die dem Original absolut ebenbürtig sind und der Film besitzt heute den selben Kultstatus wie der erste Teil von Ridley Scott.
Die Alien-Reihe inspirierte Dutzende von Nachahmern, die meisten davon billige Low-Budget Produktionen für den florierenden Videomarkt der 80er Jahre, von denen die Mehrzahl aus Kostengründen auf der Erde und nicht im Weltall angesiedelt waren. Das Ende der Science Fiction und Space Opera Welle wurde dann 1984 mit David Lynchs Megaflop "Dune" ("Dune - der Wüstenplanet") eingeleitet. Der Film hatte damals ein Rekordbudget von 50 Millionen US-Dollar und wurde mit riesigem Aufwand an Kulissen, Komparsen und Spezialeffekten im Norden Mexikos gedreht und verfügte über einen rockigen Ethno-Soundtrack der in dieser Zeit schwer angesagten Band "Toto".
Die Entwicklung der Filmadaption des wohl bedeutendsten Science Fiction-Romans von Frank Herbert mit dem selben Titel zog sich über fast ein Jahrzehnt seit den beginnenden 70er Jahren hin. Unter anderem sollte ursprünglich auch "Alien"-Regisseur Ridley Scott den Wüstenplaneten für die Leinwand zum Leben erwecken, er entschied sich aber nach einer sehr zähen Vorproduktion für die Regie seines Kult Films "Blade Runner", einem wegweisenden Dark-Future Film, und wurde durch David Lynch ersetzt, der ein paar Jahre zuvor mit seinem "The Elephant Man" ("Der Elefantenmensch") für Aufsehen gesorgt hat und bevor er "Dune" annahm, die Regie von "Die Rückkehr der Jedi-Ritter" abgelehnt hatte. Lynch gelang zwar ein optisch beeindruckendes, aber überlanges und verwirrendes Spektakel, dessen Fluss durch viele teilweise undurchsichtige Nebenhandlungen gehemmt wurde.
"Dune" verfügte über eine beeindruckende Besetzung, allen voran der junge Kyle MacLachlan als Paul Atreides, der es auf dem Wüstenplaneten Arrakis mit den Schergen des übermächtigen und sadistischen Baron Vladimir Harkonnen aufnimmt. Abgerundet wird die Besetzung durch Anjelica Huston, Max von Sydow, Jürgen Prochnow, Sean Young, Virginia Madsen, Patrick Stewart, Dean Stockwell und Sänger Sting, der hier in einem seiner wenigen Filmrollen als messerschwingender Psychopath überzeugte. "Dune" fiel sowohl bei der Filmkritik als auch beim Publikum durch und wurde einer der größten finanziellen Misserfolge der Filmgeschichte.
Mit dem Ende der ersten "Star Wars" Trilogie und dem Desaster "Dune" verschwand das Genre Space Opera für mehrere Jahre aus den Kinos - mit Ausnahme der verschiedenen "Star Trek"-Fortsetzungen, die es im Jahre 1989 bereits auf den fünften Teil brachten. Mitte bis Ende der 80er Jahre wurde das Kino von Actionhelden wie Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger beherrscht und das ganze Genre der Science Fiction verfiel in einen tiefen Winterschlaf, aus dem es erst in den 90er Jahren wieder auferstehen sollte.
Im nächsten Teil dieses Artikels beschäftigen wir uns mit einigen jüngeren Genreklassikern wie "Total Recall", "Das fünfte Element" oder auch dem erst kürzlich erschienenen neuen Meilenstein des Genres: "Avatar".
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Über den Autor
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Michael Bartl

- http://stargate-project.de
- Michael Bartl ist Chefredakteur von Stargate-Project.de sowie stellv. Chefredakteur des jungen Portals eGuide-Online.de. Schon seit frühester Kindheit ist der gebürtige Österreicher von Science-Fiction und Co. fasziniert. Angefangen hat natürlich alles mit dem Klassiker "Star Trek" sowie den "Star Wars"-Filmen. Es folgten Filme wie „Der Wüstenplanet“ und eine Serie Namens „Babylon 5“, welche seine Auffassung von Sci Fi veränderte: Eine Story muss sein!
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