GameCheck: Mafia 2 Vorschau

Als Vito Scaletta aus dem Zweiten Weltkrieg nach Empire Bay zurückkehrt, verdankt er den ungeplanten Heimaturlaub einer Verletzung - die Nazis haben ihm ins Bein geschossen. Dass er nicht wieder an die Front muss, beordert wird, verdankt er hingegen seinem besten Freund Joe Barbaro, der seine Kontakte zur "ehrenwerten Gesellschaft" spielen lässt, um eine vorzeitige Entlassung seines Jugendfreundes aus dem Kriegsdienst zu erwirken. Es solle diese Geste als "Willkommensgeschenk" ansehen, sagt Joe. Für uns ist diese Szene der Auftakt zu einer kurzen aber intensiven Auseinandersetzung mit der Previewfassung von Mafia 2.

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Atmosphäre de luxe

Wie schon beim ersten Teil zeichnet auch diesmal 2K Czech für die Entwicklung des Mafia-Epos verantwortlich, von dem wir vier Kapitel der deutschen PC-Version anspielen konnten. Auch wenn wir auf diese Weise nur bruchstückhafte Einblicke in die mafiöse Unterwelt erhalten, nimmt uns das meisterhaft gestaltete Setting mit seinen charismatischen Charakteren sofort gefangen. Vito befindet sich zu Beginn der Geschichte noch am Anfang seiner Karriere als Kleinkrimineller, der sich auf den Straßen der fiktiven amerikanischen Großstadt Empire Bay mit Gewalt einen Ruf aufbaut, der ihn bis in die familiär aufgebauten Strukturen der berühmt-berüchtigten Verbrechersyndikate bringen soll.

Wer kennt sie nicht, die Corleones und Sopranos dieser Welt, die als Cosa Nostra tief verwurzelt in Gesellschaft und Politik der USA ihre Strippen ziehen. Es ist die Zeit der 40er und 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, die hier stilsicher porträtiert wird. Vom ersten Moment an entsteht das Gefühl, in diese Epoche zurückversetzt zu werden, auch wenn man sie selbst nie erlebt hat, sondern nur aus Filmen kennt. Doch die Figuren wirken so glaubhaft, die exzellente zeitgenössische Musik (120 lizenzierte Songs dieser Zeit) die Fahrzeuge sowie Kleidung so überzeugend, dass wir quasi per "Time Tunnel" genau in die Mitte des 20. Jahrhunderts versetzt werden.

Atmosphärisch macht "Mafia 2" bereits jetzt einen herausragenden Eindruck - mit einer Ausnahme: Die deutschen Sprecher sind weit davon entfernt, italoamerikanischen Flair auszustrahlen. Schwärmte Kollege David in seiner letzten Vorschau noch vom "vollmundig gerollten L", weisen die deutschen Synchronstimmen meist keinerlei Akzent auf und bleiben sehr blass. Nur Vitos Mutter klingt irgendwie wie die radebrechende Dönerverkäuferin an der Ecke, was sehr aufgesetzt und unglaubwürdig wirkt.

Doch alles andere ist klasse umgesetzt: Laufen wir durch eine der Gassen, stehen etwa einige Männer auf der Straße, die sich mit der am Fenster lehnenden Ehefrau ihrer Freunde ein Rededuell liefern. Sie will ihn nicht schon wieder mit ihnen saufen gehen lassen. Die Trunkenbolde haben schließlich ein Einsehen: "Bleibt mehr für uns", lautet der Schlusssatz dieser amüsanten Episode. An der nächsten Ecke rutscht einer der Passanten auf dem verschneiten Gehweg aus und Vito wird ständig von alten Bekannten erkannt, die ihn in ein Gespräch verwickeln möchten. Auf diese Weise fühlt man sich sofort in dieser eigentlich fremden Umgebung heimisch. Diese "Immersion" wird noch weiter durch die grandiosen Zwischensequenzen verstärkt, in denen das Leben von Vito und Joe und ihr Aufstieg auf der kriminellen Karriereleiter mit derben Dialogen aber ruhiger Hand erzählt wird. Sich diesem Charme zu entziehen, ist nur schwer möglich - ähnlich war das auch in Red Dead Redemption oder GTA IV der Fall.

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Mord- und Totschlag

"Mafia 2" ist natürlich, wie sein Vorgänger und die oben angesprochenen Genre-Vertreter, ebenfalls als Open-World-Titel angelegt, in dem ihr nach Belieben tätig werden dürft. Wir haben in den vier angespielten Missionen einen abwechslungsreichen Mischmasch aus Schlägereien, motorisierten Verfolgungsjagden, Mordaufträgen, Schleichpassagen, Beschaffungskriminalität und wüsten Ballereien erlebt, die vortrefflich in den Spielablauf eingebunden waren. Darüber hinaus steht es euch jederzeit offen, abseits der Storyaufträge eigene Wege einzuschlagen und das 16 Quadratkilometer große Areal von Empire Bay unsicher zu machen. Vor den Cops sollte man sich jedoch in Acht nehmen: Sie lassen sich zwar nach wie vor relativ leicht abhängen, aber Vito verträgt nur sehr wenige bleihaltige Treffer.

Trotz regenerativem Lebensbalken ist die Verwendung der sehr guten Deckungsmechanik daher nicht nur in Scharmützeln mit den Gesetzeshütern (die man bei einer Verhaftung auch durch Bestechung loswerden kann), sondern auch in Auseinandersetzungen mit verfeindeten Mafia-Clans, ein unbedingtes muss. Apropos Technik: "Mafia 2" zeigt sich hier einen Schritt weiter als beispielsweise GTA IV, das gilt nicht nur für die sehr hübsche Stadtumgebung und die detailliert gezeichneten Objekte und Figuren.

Es sind vor allem die Details, mit denen 2K Czech punkten kann, z. B. einer verbesserten Sprintfunktion (keine Ermüdung, gedrückt halten statt Button-Mashing), einem sehr präzisen Gunplay mit durchschlagskräftigen Waffen, einer guten Fahrzeugkontrolle (die auch von Umweltbedingungen wie Eis und Schnee beeinflusst wird) oder auch einem nahtlosen Übergang von Controller- zu Maus/Tastatursteuerung. Je nachdem, was ihr präferiert, könnt ihr für die Fahrzeugsteuerung jederzeit zum Pad greifen, um in den Ballersequenzen lieber auf die höhere Präzision der Maus zu vertrauen. Sogar ein Mix, wie mit dem Controller laufen und mit der Maus ballern, ist möglich - klasse!

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Ausblick

Ich bin fasziniert von dieser dicht gewobenen kriminellen Unterwelt, dieser Subkultur der Mafia-Clans, die nichts anderes kennt und auf nichts anderes aus ist, als auf ihren eigenen Vorteil. Das war schon bei Filmen wie "Der Pate", "Goodfellas" oder den "Sopranos" nicht anders, in "Mafia 2" kann ich nun wieder selbst Teil der "ehrenwerten Gesellschaft" werden, ohne mir dabei die Finger tatsächlich auch schmutzig machen zu müssen.

2K Czech erschafft ein atmosphärisch unheimlich homogenes und glaubhaftes Szenario, das mich mit seinem abwechslungsreichen Missionen fesselt und mit seinen unterhaltsamen Zwischensequenzen bei Laune hält. Mit einer technischen Grundlage, die einem GTA IV einen Schritt voraus ist, gehören ärgerliche Sprintfunktionen, arg schwammige Fahrzeugkontrollen und teils schwaches Gunplay der Vergangenheit an. Lediglich die biedere deutsche Synchronisation kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht überzeugen. Davon abgesehen muss man kein Prophet sein, um "Mafia 2" eine glorreiche Zukunft vorauszusagen.

Quelle: gamona.de

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